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Stadtmuseum Hagen [Hagener Stücke]. 111 Objekte aus dem Stadtmuseum [2017/11]
Glocke aus dem Hohenlimburger Schlossturm (Stadtmuseum Hagen RR-R)
Provenance/Rights: Stadtmuseum Hagen / Heike Wippermann (RR-R)
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Glocke aus dem Hohenlimburger Schlossturm

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Description

In den frühen Morgenstunden des 21. Juli 1811 schlug der Blitz in den mittelalterlichen Bergfried des Schlosses Hohenlimburg ein. Der Blitzschlag zerstörte die dreiteilige Dachhaube sowie die beiden Obergeschosse mit bis zu 3,50 m starken Außenmauern. Den Abschluss des Turmes bildete eine schmiedeeiserne Wetterfahne mit den Initialen des Grafen Moritz Casimir I. von Bentheim-Tecklenburg (*1701, †1768). Der Abbruch der zerstörten Turmgeschosse – in einem Teil war das Archiv der Grafschaft untergebracht – erfolgte erst fünf Jahre nach dem Einsturz. Dabei wurde die Architektur des früheren Bergfrieds grundlegend verändert. Im Frühjahr 1817 erhielt der nur noch zur Hälfte seiner ursprünglichen Höhe erhaltene Bergfried ein als Übergang gedachtes Notdach. 1832 verlegte das Fürstenhaus seine Hauptresidenz vom Schloss Hohenlimburg wieder ins ostwestfälische Rheda. Aus Kostengründen wurde der bis dahin vorgesehene und bereits geplante Wiederaufbau des Schlossturmes endgültig aufgegeben. Der erhaltene Sockel des Bergfrieds besitzt bis heute das 1817 errichtete Notdach, aus dem die im Stadtmuseum erhaltene Glocke stammt.
Die Glocke wurde nach dem Einsturz aus dem Trümmerschutt des Turmes geborgen. Sie hatte starke Beschädigungen an der Krone erhalten. Auch war am unteren Rand ein fast 10 cm breiter Ausbruch entstanden. Nach der Reparatur wurde sie an einem Holzjoch mit Eisenbändern im Notdach aufgehängt. Es handelt sich um eine in der 2. Hälfte des 15. bis zum frühen 16. Jahrhundert gegossene Glocke. Sie besitzt einen Durchmesser von 436 mm und erklingt im Schlagton c3 + 3. Die Glocke trägt keine Inschrift, Gießermarke und sonstige Zier. Das Profil der Kronenhenkel mit Doppelwulst an der Vorderseite verweist auf eine Provenienz aus der nahe gelegenen Dortmunder oder Iserlohner Glockengießer-Werkstatt.
Bei genauer Betrachtung fallen an der Glocke einige Besonderheiten auf. Abweichend vom üblichen Kronenaufbau verfügt sie lediglich über einen sich nach oben verjüngenden Mittelzapfen. Von den ursprünglich vier Henkeln sind zwei beim Einsturz des Turmes abgebrochen. Als Ersatz wurden bei der Reparatur um 1817 drei schmiedeeiserne Henkel eingesetzt. Sie sind von innen mit geschmiedeten Vierkantmuttern verschraubt. Deshalb hat die Krone nun insgesamt fünf Henkel – eine im Rahmen der damaligen Möglichkeiten bemerkenswert sorgfältige Arbeit. Bei Glocken ist eine Kronenkonstruktion aus sechs Henkeln und einer Mittelöse üblich. Im Fall der Hohenlimburger Glocke liegt eine auf vier Henkel reduzierte Anlage der Krone vor. Das spricht dafür, dass die Glocke von Anfang an nicht zum Läuten bestimmt war. Vielmehr diente sie wohl als von außen anzuschlagende Uhrglocke. Deshalb zeigt die Glocke innen am Schlagring keinerlei Spuren eines Klöppelanschlags. Außen ist jedoch die Anschlagmarke eines Uhrhammers sichtbar. Daraus lässt sich schließen, dass der Schlossturm vor seinem Einsturz 1811 vermutlich ein Uhrwerk mit Schlagglocke besaß.
Unter Graf Gumprecht IV. von Neuenahr-Alpen begann 1546 bis 1555 der Ausbau der mittelalterlichen Burg Hohe Limburg zu einem frühneuzeitlichen Residenzschloss. Den Bergfried krönte eine neu errichtete Zwiebelhaube im Renaissancestil. In dieser Ausbauphase wurde im Obergeschoss des Turms vermutlich ein möglicherweise bereits vorhandenes Uhrwerk mit Glockengeläut zum Anschlagen der Uhrzeit eingebaut, denkbar wäre auch ein außen angebrachtes Ziffernblatt. Um 1735 erhielt der Schlossturm unter Graf Moritz Casimir I. zu Bentheim-Tecklenburg eine neue Bedachung mit einer barocken, dreiteilig gegliederten Haube. Das Uhrwerk mit Schlagglocke verblieb wohl weiterhin im Obergeschoss des Turmes, bis es 1811 durch den Einschlag des Blitzes zerstört wurde.

Claus Peter

Material/Technique

Bronze & Eisen / gegossen & geschmiedet

Measurements

D 43,6 cm; Gewicht ca. 50 kg

Literature

  • Blank, Ralf; Freiesleben, Dietmar (Hrsg.) (2017): [Hagener Stücke]. 111 Objekte aus dem Stadtmuseum. Essen, S. 54f
  • Blank, Ralf; Marra, Stephanie; Sollbach, Gerhard (2008): Hagen. Geschichte der Großstadt und ihrer Region. Essen
  • Nordmar, Erich (1960): Schloss Hohenlimburg. Die Baugeschichte einer westfälischen Höhenburg. Hagen
  • Peter, Claus (2010): Die Glocken der Dortmunder Stadtkirchen. Dortmund
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